Der Bierkönig von Amsterdam

Ich wusste nicht, ob sie die Ersten waren, die in Amsterdam auf die Idee kamen, ein Geschäft zu eröffnen, das ausschließlich Bier verkauft. Was ich aber wusste, war, dass sie schon lange im Geschäft sind, im Internet steht was von 1985, da war ich fünf und Jugoslawien noch nicht zerfallen.

Ich erinnere mich nur zu gut, wie es sich anfühlte, als ich den De Bierkoning das erste Mal betrat. Ich kann nicht sagen, welches Jahr es genau war, aber irgendeins zwischen 2007 und 2010. Ich kam einfach nicht aus dem Staunen raus, ich dachte mir, dieser Laden ist nicht echt, sowas kann es gar nicht geben, das kann nicht ernsthaft alles Bier sein. Aber so war es. Es war unfassbar viel Bier in diesen kleinen Laden gestopft. Hinter der Kasse ein gigantisches Regal, in dem es Biergläser zahlreicher Brauereien aus der ganzen Welt zu kaufen gab. Hier gab es Biere aus Deutschland, die ich bisher nirgendwo in Deutschland gesehen hatte. Hier gab es Bier aus England in rauen Mengen, und ich war und bin ein großer Fan von Bitter und ESB’s. Hier kaufte ich meine ersten belgischen Biere. Ich weiß nicht mehr welche, aber ich weiß, dass mich seitdem dieses kleine Bierland fasziniert.

Als ich die Regale abging, kam aber auch Wut in mir hoch, Wut auf meine Eltern, die 1970 auch die Möglichkeit hatten, als Gastarbeiter in die Niederlande zu gehen. Sie aber entschieden sich für Deutschland, weil dort mein Onkel Ratko, Spitzname Schleicher, schon mit meiner Tante lebte. So wurde ich in Deutschland und nicht in den Niederlanden geboren. Ich wollte unbedingt, dass meine Eltern daran schuld waren, dass mir diese Zauberwelt der tausend Biere bis dahin verwehrt blieb. In Wirklichkeit traf meine Eltern natürlich keinerlei Schuld und die Vergangenheit war nun mal so, wie sie war. Deshalb entschied ich mich, ein Pendler zwischen Deutschland und den Niederlanden zu werden. Ich wurde zu einem Bierwesen, das drei Länder als seine Heimat bezeichnet: Deutschland, Jugoslawien und die Niederlande. Der De Bierkoning hatte auch seinen Anteil daran, dass ich der wurde, der ich heute bin.

[text: sm / fotos sm, dd] &nbsp

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