Der Ungläubige im Café Thijssen

Es war ein schöner Herbstsonntag in Amsterdam, als ich mit dem Rad in den Jordaan fuhr und dabei diesen verrückten Gedanken fasste, dass ich den Tag mit einem oder zwei Kaffee starten könne. Ich dachte mir, dass das Café Thijssen dafür genau der richtige Ort sei. Kaffee und vielleicht noch ein riesiges Stück Apfelkuchen sollten es werden. Angekommen im Café Thijssen war alles so, wie man es sich für ein altes Amsterdamer Café vorstellte, man hörte das Knarren der Dielen trotz der Lautstärke, die hier sonst so waltete, deutlich, die großen Fenster ließen üppig Tageslicht herein. Die Hocker an der Theke waren bis auf zwei alle nicht besetzt. Also setzte ich mich dort hin und fühlte mich schon in dem Moment, als ich den Kaffee bestellte, schuldig, schließlich hatten wir es schon halb eins und der Biergott verstand ab 12 Uhr keinen Spaß.

Ich schlürfte also etwas zerknirscht meinen Kaffee und schaute mir die anderen Gäste um mich herum an. Es war ein bunter Haufen: Amsterdamer der unterschiedlichsten Sorte, auffällig viele Kinder, die überall gut gelaunt rumhüpften, und natürlich außer mir noch andere Touristen. Von manchen war ich genervt, weil sie sich so unsensibel gegenüber den Amsterdamern benahmen und fast schon größenwahnsinnig so taten, als ob ihnen und nicht den Bewohnern die Stadt gehörte. Als ich mich weiter umsah, fiel mein Blick auf ihn, und dann traf mich der Schlag mit voller Wucht. Ein junger Vater saß da mit Sohn und einem dunklen Bier von Jopen. Als mir die nette Bardame den zweiten Kaffee servieren wollte, sagte ich, dass ich ihn doch nicht mehr wolle, aber ihn natürlich bezahlen würde und anstelle dessen dieses dunkle Jopen haben möchte.

Das dunkle Jopen stellte sich als der Ongelovige Thomas heraus. Ein Bier, das wie für den Herbst und den nahenden Winter, der schon in der Luft lag, gemacht war. Ein gewaltiges Bier voller brutaler Schwere, die aber trotzdem wusste, wie ein guter Zungenkuss geküsst wurde und ein Bier, das einen auch noch mit seinem großartigen Duft völlig in den Bann zog, ein wärmendes Getränk, das seinen Hopfen nicht versteckte, sondern ihn subtil im Abgang aufflackern ließ. Einfach alles am Ongelovige Thomas war perfekt abgestimmt und ausgewogen, was man von meinem Gang nicht mehr behaupten konnte, als ich das Café Thijssen später am Abend gegen 19 Uhr verließ.

[text & foto: sm]

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