Es gab gute und schlimme Tage im Café De Kat in de Wijngaert

Dieser Ort, das Café De Kat in de Wijngaert, war mir ans Herz gewachsen. Hier hatte ich schon etliche Spiele von Ajax Amsterdam gesehen. Jedes Mal musste ich dabei wie verrückt leiden und meistens, wegen all des Leids und der Qualen, einiges an Bier trinken. Das Café liegt im Norden des Amsterdamer Stadtteils Jordaan und es ist wohl sowas, was man gemeinhin ein Kiezlokal nennt. Die Einrichtung ist alt, unaufdringlich, und sie fühlt sich nicht dazu genötigt, auf dicke Hose zu machen oder irgendwas zu imitieren. Die Menschen, die ich dort antraf, waren häufig einfache Originale der Stadt, die ein gutes Herz hatten, die in dieser Stadt geboren waren und hier auch wieder sterben würden. Und am liebsten tranken sie schon immer solche Biere, die andere abfällig Massenbiere nannten, zumeist Heineken vom Fass.

Für das Heineken vom Fass muss ich eine Lanze brechen, weil es viel besser ist als dasjenige aus Flasche oder Dose. Außerdem gab es hier immer die Amstel-Jahreszeitenböcke und auch, wenn Amstel zu Heinken gehört, sind diese Böcke absolut empfehlenswert. Kein arty Stuff, kein fancy IPA das nur mit Hopfennamen, aber kaum mit Tiefgang glänzt und kein weiteres Pale Ale, das gerne schick daherkommt. Sondern: wirklich gut gemachte, solide, harte Böcke, die es nicht nötig haben, anzugeben. Wer es gerne belgisch mochte, bestellte hier Westmalle Tripel, ein Bier, mit dem ich wahrscheinlich, so lange ich Bier trinken kann, auf Kriegsfuß stehen werde. Es gab Tage an denen ich es, wenn auch nicht mochte, so doch zumindest akzeptierte, an denen es ganz gazellenhaft wirkte und dann wiederum gab es die Tage, an denen es mir wie eine Abrissbirne klarmachte, dass es der unbesiegbare, knurrige Chef im Ring war. Das waren die schlimmen Tage.

Und ja, hier in dieses Bild aus Einfachheit und Solidität des Café De Kat in de Wijngaert, da passte ich gut rein. Die Farben stimmten hier noch, man war ehrlich zueinander und ging nach der letzten Runde ohne viel Aufhebens zu machen seiner Wege.

[text: sm / fotos: dd, Iwai.masaharu]

 

Der Text erschien neben anderen im Bier-Brevier „Unser täglich Bier gib uns heute: Das Bierwort für den Tag“ (tredition, 2020). Es ist das beste Buch seit Horst Hrubeschs „Dorschangeln vom Boot und an den Küsten“. Für jeden Kalendertag hält es einen schönen Biertext bereit. 31 Autor:innen haben mitgeschrieben. Weitere Informationen dazu gibts hier – bestellt werden kann es beim Buchhandel oder direkt beim Verlag: Zur Verlags-Website
Für die, die es ganz eilig brauchen: Jeff Bezos hat auch ein paar Exemplare gebunkert, will sie aber doch jetzt wieder schnell loswerden. Er trinkt lieber Wein, meint er.
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